Rolf Linkohr
Mitglied des Europäischen Parlaments
Zusammenfassung
August 2002

Luftgeschäfte

oder

 Wie der Handel mit Treibhausgasen die Energiepolitik verändert

Rolf Linkohr, Alexandra Kriegel und Beatrix Widmer

Die Warnungen der Klimatologen vor einer Klimaerwärmung stoßen diesseits und jenseits des Atlantiks auf ein unterschiedliches Echo: während die Amerikaner zu keinen einschneidenden Klimaschutzmaßnahmen bereit sind und sich darauf berufen, dass die Ursachen und Folgen der derzeit zu beobachtenden Klimaveränderung wissenschaftlich umstritten sind, so fühlen sich die Europäer aufgrund des Vorsorgeprinzips zum Handeln verpflichtet. Sie haben sich in Kyoto zu einer gemeinsamen Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet und wollen dieses Ziel auch einhalten.

Die Europäische Union will sich dabei eines neues Instrumentes bedienen: dem Handel mit Treibhausgasen. Sie hat sich im Rahmen der internationalen Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll davon überzeugen lassen, dass mit Hilfe des Emissionshandels die Kosten des Klimaschutzes verringert werden können. Die Europäische Kommission hat dazu einen Richtlinienvorschlag vorgelegt, der derzeit im Gesetzgebungsverfahren zwischen dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat verhandelt wird. Nach dem Willen der Kommission soll der Emissionshandel in der EU 2005 beginnen, also noch vor dem Start des internationalen Emissionshandels im Jahr 2008.

Neu an dieser Methode ist, dass CO2, bzw. die in CO2 -Äquivalente umgerechneten Treibhausgase, einen Preis erhalten. So entsteht - salopp gesagt - ein Markt für Luft, oder genauer ein Markt für die Emissionen von Treibhausgasen. Er wird vermutlich in wenigen Jahren ein jährliches Geschäftsvolumen von vielen Milliarden Euro umfassen. Mit Luftgeschäften können in Zukunft vor allem die Anbieter von Energie, die emissionsarm oder frei umgewandelt wurde, Geld verdienen. Der Emissionshandel wird somit die Energiepolitik, die sich in der Regel über den Preis bestimmt, verändern. Der Zwang zur Emissionsminderung wird sich auf den Energiemix auswirken: Erneuerbare Energien und Kernenergie erhalten einen Bonus, fossile Energien einen Malus, es sei denn, es gelingt, CO2 abzutrennen und unter der Erde zu speichern. Dafür bestehen gute Aussichten. Auch wird die Entwicklung von Technologien ermutigt, die CO2 einsparen. So wird der Übergang der Industriegesellschaft zu einer energieeffizienten Wirtschaft beschleunigt.

Der Emissionshandel bringt auch der Dritten Welt Vorteile. Denn längerfristig wird auch sie daran teilnehmen. Entwicklungsländer werden in aller Regel Emissionsrechte verkaufen können und damit ihren industriellen Wandel finanzieren helfen.

Die Autoren gehen in ihrem Buch auf das Vorsorgeprinzip ein und fassen den wissenschaftliche Hintergrund des Klimawandels zusammen. Ein Abriss über die wichtigsten Etappen in den Verhandlungen um das Kyoto-Protokoll eröffnet den Blick auf die internationale Handlungsebene. Die flexiblen Instrumente – Emissionshandel, Joint Implementation sowie Clean Development Mechanism – werden kurz umrissen. Es wird erläutert, wo sich die EU und die Mitgliedstaaten auf ihrem Weg der Treibhausgasminderung befinden. Anschließend zeigen die Autoren am Gesetzgebungsverfahren zur Richtlinie für den EU-weiten Emissionshandel exemplarisch die wesentlichen Diskussionspunkte und Probleme auf. Auch wird ein Bild von der Haltung der USA in der Klimapolitik gezeichnet.

Schließlich wird ausgeführt, welche Auswirkungen der Emissionshandel auf den Energiemix haben wird. Die Autoren betrachten den vom Menschen verursachten Klimawandel als größte Gefahr und ordnen ihm die Risiken der einzelnen Energieträger unter. Dabei sprechen sie von einer Hierarchie der Risiken. In einem Ausblick erörtern sie die langfristigen Folgen des Emissionshandels für die EU, den Energiesektor, die Industrie und die privaten Haushalte und sie beschreiben die Chancen dieses neuen Instruments der Wirtschafts- und Umweltpolitik bei der Bekämpfung der Armut in der Dritten Welt.

Erschienen im August 2002 bei: Energiewirtschaft und Technik Verlagsgesellschaft mbH, Essen (etv-Verlag), ISBN: 3-925 349-39-1